Dieser Gastbeitrag wurde von Faerie Blossom geschrieben.
Du kennst Faerie Blossom noch nicht? Dann schau unbedingt mal auf ihrem Instagram Kanal vorbei: faerie_blossom

Hi, ich bin Jasmin aka ‘Jazz’ im Internet bekannt als ‘Faerie Blossom’ und ich bin eine tätowierte (und sichtbar gepiercte) Cosplayerin aus Düsseldorf.
Im Folgenden will ich einfach Mal ein bisschen mit dir darüber plaudern, wie das denn so ist, wenn man stark sichtbare Tattoos hat und diese im Cosplay zu sehen sind und mit welchen Reaktionen man eventuell rechnen muss.

‘Catwoman doesn’t have a raven tattoo’
‘Androids don’t have tattoos’
‘what are you going to do about that tattoo, since Cersei doesn’t have one???’

Das sind nur ein paar Beispiele der Kommentare, die ich mir als tätowierte Cosplayerin öfter Mal durchlesen durfte. Ebenso ist es mit dem Satz:

‘Tja dein Cosplay ist dann eben nicht akkurat wegen den Tattoos, schade!’

Autsch, echt jetzt? Ist ein Cosplay denn schlechter, weil der Cosplayer sichtbare Tätowierungen hat? MUSS ein Cosplay denn unbedingt 1 zu 1 akkurat zum Original sein? Oh du, das ist ja schon wieder eine eigene Diskussion für sich und vielleicht ein anderes Thema für SajaLyns Blog? 😉

Tatsächlich habe ich am Anfang , als ich meine ersten Tattoos bekommen habe, häufiger das Problem gehabt, dass man sich darüber unter meinen Bildern beschwerte.
Aber vor allem in letzter Zeit bei meinen Detroit: Become Human Cosplays kam dann doch nochmal häufiger der Satz ‘But androids don’t have tattoos’ unter meinen Bildern zum Vorschein.

Fotograf: Andreas Kinder

Und ja, ich weiß, klar – diese Kommentare haben natürlich auch Recht. Die Charaktere die ich cosplaye haben eben nicht meine Tattoos auf der Haut und das sorgt für folgende Aussagen:

‘Das Tattoo zerstört das Cosplay!’

Oh ganz ehrlich, ich LIEBE diese Aussage!
Da kann ich glatt anfangen mit mir selber zu diskutieren, weil ich dazu auch nicht nur eine Meinung habe 😀
Denn die Antwort ist; ja und gleichzeitig auch nein, meiner Meinung nach.

Einerseits denke ich; ja, ein Tattoo kann manchmal echt das Gesamtbild stören und einfach gar nicht zum Charakter passen.
Stell dir vor: Homer Simpson auf dem Oberarm bei Arielle…?
Oder, wie in meinem Fall, ein großer Rabe auf dem Dekolleté von Catwoman? Schwierig! Gehört ja nicht zum Charakter, passt unter Umständen farblich auch gar nicht zusammen und springt dir dann einfach direkt ins Gesicht.

Und da kann ich es absolut verstehen wenn es Leute stört oder sie es persönlich eben nicht schön finden, erst Recht wenn man eventuell gar kein Fan von Tattoos oder Piercings ist. Aber Tattoo hin oder her das macht ein Cosplay meiner Meinung nach trotzdem kein bisschen schlechter. Es ist in dem Moment, wo es jemandem nicht gefällt oder eben gefällt, eine Frage von Geschmack!

Andererseits bin ich gleichermaßen der Meinung, dass meine Tattoos genauso ein Teil von mir sind, wie meine Muttermale oder meine Nase, nur dass ich mir diese Merkmale meines Körpers eben selber ausgesucht und platziert habe, weil ich es so schön finde.
Aber dennoch sind sie ein Teil meiner Person und meines Körpers und haben deswegen eine Daseinsberechtigung und müssen eben nicht abgedeckt werden.

Ich würde mir ja auch nicht die Nase brechen lassen, damit sie eine passendere Form für Charakter XYZ hat…du verstehst was ich meine, oder?

Fotograf: Andreas Kinder

Ich muss sagen, ich habe auch durchaus Cosplays, wo meine Tattoos sogar toll zum Charakter passen, wie zum Beispiel Raven aus Teen Titans.
Zusammengefasst merkst du, dass ich nicht der Meinung bin meine Tattoos passen auf jeden Fall supertoll zu meinen Kostümen. Aber ich bin ebenso wenig der Meinung dass sie meinen Kostümen einen Zacken aus der imaginären Krone brechen.

Wieso deckst du deine Tattoos nicht einfach ab?

Als ich mir damals mein erstes Tattoo habe stechen lassen, ein Rabe auf der Brust, war er mein ganzer Stolz! Ich wollte schon ewig lang ein Rabentattoo haben und nun war es endlich da. Schmerz und Schweiß habe ich gelitten und ordentlich dafür geblecht. Der Rabe saß auf meiner Brust, wo ihn jeder sehen und bewundern konnte.

Dennoch habe ich mich damals für Shootings und Conventions stets bemüht, den Raben zu covern, d.h. mit sehr vielen Schichten MakeUp überschminkt, bis er kaum mehr sichtbar war.

Der Entschluss dies zu tun kam allerdings auch viel dadurch, dass ich den Eindruck hatte es wurde von mir erwartet und ‘das macht man dann so’. Es gab sogar Freunde, die ganz klar geäußert haben:
‘Ja gut das musst du dann aber covern, ne’ oder ‘Für XYZ coverst du das dann schon, oder?’ – also war eine gewisse Erwartungshaltung von außen an mich gerichtet.

Diese Erwartung, gerade von Freunden, waren ein Grund dafür, dass ich den Brustraben, wenn er denn zu sehen war – abdecken ‘musste’.
Allerdings fiel mir recht schnell auf, dass meine Haut auf der Brust die vielen MakeUp Schichten gar nicht gut vertragen hat. Jedesmal nach dem Abschminken war meine Haut gereizt und gerötet. Es hatten sich kleine Pickelchen gebildet. Ziemlich unangenehm, wie du dir vorstellen kannst, denn NIEMAND mag Pickelchen, erst recht nicht auf Tattoos.

Fotograf: Andreas Kinder

Dann war da noch das Problem, dass das MakeUp, trotz Fixieren, durch äußere Einflüsse wie Schweiß oder Reibung gerne mal abfärbte und verwischte. Zack, war das MakeUp was den Raben abdecken sollte, ein Teil des Kostüms geworden. Na super, wasch das mal raus.
Am Ende muss ich gestehen; es war mir auch einfach irgendwann wahnsinnig lästig geworden, jedesmal länger meinen zu Raben schminken als mein Gesicht.

Denn, glaub es oder nicht, ich habe um dieses EINE Tattoo abzudecken fast 30 min gebraucht und dann hats am Ende doch noch abgefärbt oder Schmiererei gegeben, na da kommt doch Freude auf, nicht wahr? Damals habe Ich dann für mich im Stillen den Entschluss gefasst ‘okay weißte was? NÖ! Ich covere das Tattoo nicht mehr, für Fotos kann man es ja wegstempeln’

Kleine Notiz am Rande: ‘Wegstempeln’ bei einem pechschwarzen Tattoo macht dich bei Fotografen echt unbeliebt. Das ist nämlich gar nicht Mal so einfach und nervt, wie ich so von meinen Fotografenfreunden gehört habe hust es tut mir leeeeeeid räusper 😛

Also hab ich auch da irgendwann gesagt, “Ja was solls, auf Conventions covere ich die Tattoos nicht, dann sind se halt auch auf den Fotos da!”
Wenn du dir meine bisherige Entwicklung so anschaust, bin ich mit inzwischen ca. 20+ Tattoos an dem Punkt, wo ich vermutlich eine Air Brush Pistole und einen Assistenten bräuchte, der mir einmal eine neue komplett ‘unbefleckte’ Haut aufsprayt.

Das bräuchte ich vor allem, wenn ich einen Charakter cosplayen wollen würde, der selber stark tätowiert ist… Oh boi, das wäre ja eine Arbeit…erst Haut mit Bodypaint/AirBrush auf Werkseinstellung zurücksetzen, um dann andere Tattoos drüber zu malen. Du kannst dir sicher vorstellen, warum ich versuche keine Charaktere dieser Art zu cosplayen oder? xD

Fotograf: Andreas Kinder

Im Fall von Chloe Price aus Life is Strange habe ich mich einfach damit arrangiert, das Chloe ein Oberarm Tattoo hat das zwar nicht aussieht wie meins, aber zumindest in eine ähnliche Richtung geht. Sie hat ein buntes Totenkopf Tribal, ich habe ein schwarz weißes Totenkopf Mandala…ganz ehrlich? Ich fand es passte ganz gut 🙂

Und was sagt jetzt deine Community dazu, dass Catwoman tätowiert ist?

Oh ich kann dir sagen, ich bin echt happy, denn Ich erfreue ich mich an einer sehr Tattoo-begeisterten Community, die gerne meine neuesten Tattoos mitverfolgen und sich sogar freuen, wenn sie einen Charakter mit meinen Tattoos sehen. ‘Oh wir bekommen Elsa mit Tattoos zu sehen!’ oder ‘OMG die Tattoos passen so gut dazu’ höre ich eigentlich täglich und Sprüche wie ‘Catwoman hat aber kein Rabentattoo’ oder ‘Androiden haben keinen Tattoos’ hingegen sind eher the dying kind.

Wenn sich doch Mal ein solcher Kommentar unter ein Bild verirrt, dann meistens von Leuten die mir sowieso nicht folgen. Frei nach dem Motto ‘das gefällt mir nicht, der folg ich nicht’das ist ja auch völlig okay. Dann hätte man sich meiner Meinung nach den Kommentar aber auch sparen können, ich meine ich kommentiere zum Beispiel nichts was mir nicht gefällt, wie sieht es da bei dir aus? 😉

Zusammendfassend kann ich dir nur sagen, wenn du dir ein Tattoo stechen lässt oder sogar welche hast:
DU entscheidest ob du dein(e) Tattoo(s) für ein Cosplay covern willst oder nicht.

Du musst weder das eine noch das andere. Es ist eine Geschmacksfrage und du musst dir am Ende gefallen und zufrieden mit dir sein.

Ich für meinen Teil bin glücklick damit zu sagen ‘meine Tattoos sind Teil von mir, die ich gerne zeige und ich habe kein Problem damit wenn sie auch im Cosplay zu sehen sind’. Ich habe aber auch keinerlei Problem damit, wenn du es anders siehst und anders machen würdest. You do you <3

Diese Beiträge sind sicher für dich interessant:
Stoppt das Konkurrenzdenken!
Wenn Cosplayer andere Cosplayer haten
Du kannst nicht Elsa cosplayen, wenn du wie Jasmin aussiehst. [Gastbeitrag]
Sexy Cosplayer haben Schuld daran, dass du zu wenig Aufmerksamkeit bekommst! Oder etwa nicht?
Zahl’s mir, Baby! – Du musst dich nicht ausziehen, um erfolgreich zu sein

4 thoughts on “Androids don’t have tattoos

  1. Ich find es sehr cool, ich selber möchte gerne auch mehr Tattoos haben, habe aber immernoch das Problem das ich mir nicht sicher bin ob ich es sichtbar tragen möchte oder es doch lassen soll.
    Ich hab schon überlegt erstmal Tattoos an stellen zu setzen wo ich selten haut zeige.
    Es ist mir auch egal was die anderen dann davon halten aber ich hadere noch mit mir selbst 😂

    1. Warum denn nicht 🙂 Ich trage auch Tattoos, die man aber selten sieht, weil ich es für mich persönlich schöner finde. Faerie Blossom liebt Tattoos, die an offen sichtbaren Stellen sitzen. Ganz so wie es jeder für sich mag! 🙂

      1. Ich hab ja auch welche die man nicht sieht😁
        Ich denke wenn ich weiß was genau und wohin dann wird das vielleicht auch nicht lange dauern bis ich mich mehr traue 😊
        Danke für deine lieben Worte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit stimme ich den Datenschutzbestimmungen zu