Ist dir auch schon einmal zu Ohren gekommen, dass andere dein Cosplay als schlecht und unpassend empfinden? Dabei handelt es sich vielleicht genau um das Cosplay, das du als extrem gelungen empfindest? Du warst bis eben echt zufrieden und weißt jetzt nicht mehr wohin mit deinen Gedanken?

Keine Sorge! Dein Cosplay ist nicht schlecht.

Gerade wenn es an unsere Lieblingscharaktere geht, hat jeder von uns ein Idealbild vor Augen. Ob du diesem Idealbild entsprichst hat oft weniger etwas mit deiner Umsetzung an sich zu tun. Genau deswegen habe ich ein kleines Experiment gestartet. Denn vielleicht ist es genau das, was du heute hören musst, um dich besser zu fühlen.

Das Experiment

Wenn man sich ganz in Ruhe hinsetzt, alle Emotionen außen vorlässt und vernünftig darüber nachdenkt, kommt man natürlich zu dem logischen Schluss, dass nicht jeder all deine Cosplays toll finden kann. Meistens denken wir aber nicht auf diese Weise darüber nach, sondern sind emotional, verletzt oder ärgern uns einfach.

Auch wenn es dir auf einer rationalen Ebene bewusst ist, so kommt die Information, dass wir es gar nicht allen recht machen können, nicht wirklich bei dir an. Gerade deshalb habe ich dieses Experiment gestartet und meine Follower um ehrliche Rückmeldung gebeten.

Denn ich wollte wissen, welche Charaktere meine Follower an mir gar nicht mögen:

Ich bin ganz ehrlich… Obwohl ich mit einigen dieser Charakteren gerechnet hatte, so war ich auch einen ganz kleinen Moment melancholisch.

Ich freue mich sehr darüber, dass meine Community so ehrlich und respektvoll war und mitgemacht hat. Nur so war das Experiment überhaupt möglich! Danke dafür.
Das Experiment im Ganzen funktioniert aber nur mit Teil zwei.

Im gleichen Atemzug habe ich meine Community darum gebeten, mir ehrlich zu sagen, welche Cosplays sie an mir klasse finden:

Wenn du jetzt aufmerksam aufgepasst hast, dann werden dir so einige Überschneidungen aufgefallen sein. Beispielsweise wurden Sailor Moon, Wednesday, Rapunzel und Barbie sowohl als “Lieblingscosplay” als auch als “Mag ich gar nicht” genannt.

Und nun? Was machen wir denn jetzt mit dieser Aussage.

Wir lassen diese Aussage sacken. Denn sie beweist eindeutig und ganz zweifelsfrei, dass du es nicht jedem Recht machen wirst. Es wird immer jemanden geben, der das Cosplay an dir nicht mag, weil es nicht im Ansatz seinem Idealbild entspricht. Dafür wird es auch immer jemanden geben, der das Cosplay an dir klasse findet und es feiert.

Sich also danach zu richten, was andere mögen, macht wenig Sinn. Mach das was dich glücklich macht, worin du dich schön oder episch fühlst und das was dir ein gutes Gefühl vermittelt.

Eigenwahrnehmung vs. Fremdwahrnehmung

Wir selbst sind unsere größten Kritiker, kennen uns am besten und haben ein ziemlich klares Bild davon, was zu uns passt und was nicht. Dieses Bild weicht aber häufig von dem Bild ab, das andere von uns haben. Manchmal weichen auch unsere eigenen Vorlieben und Wünsche von dem ab, was am besten zu uns passt.

Ich erinnere mich noch gut daran, als wir in der Grundschule zum Schulfest eine Modenschau organisiert haben. Jeder konnte Kleidung beisteuern und wurde in bestimmten Rollen besetzt. Ich selbst hatte ein schwarzes Kleid mit Rüschen und lilafarbenen Glitzerblumen beigesteuert. Das Kleid wurde von allen bestaunt und ich freute mich schon riesig es auf dem Laufsteg zu tragen.

Letztendlich wurden vor dem Fest die Rollen noch einmal neu besetzt und das Aufmerksamkeit liebende Mädchen aus meiner bekam mein Kleid zugeteilt, während ich als Blumenmädchen in einem erdfarbenen Leinenkleid auf die Bühne ging. Ich weiß nicht mehr, ob ich damals die Erlaubnis gab, dass jemand anderes mein Kleid tragen dürfte. Ich weiß nur noch, wie traurig ich war, dass ich nicht den Moment zu scheinen bekam, sondern mich als kleines Mauerblümchen präsentieren durfte. So wie mich scheinbar andere wahrnahmen.

Das Erlebnis habe ich bis heute nicht vergessen und ich denke auch oft beim cosplayen noch daran!

Was ist Cosplay für mich?

Denn für mich gibt es Charaktere, die von ihrem Style zu mir und meiner Person passen und dann gibt es Charaktere, deren Kleidungsstil ich im Alltag niemals übernehmen würde. Dennoch liebe ich es in beide Rollen zu schlüpfen. Ich bin keine Prinzessin, ich bin eine Räubertochter. Ich bin kein Grufti, sondern eine positive Person. Dennoch finde ich in allen Rollen etwas, mit dem ich mich identifizieren kann. Das ist etwas, das mir persönlich bei der Wahl der Charaktere für mich selbst sehr wichtig ist.

Wenn jemand also zu mir sagt, dass Sailor Moon nicht zu mir passt, dann kann ich dem nicht zustimmen. Ich kenne mich selbst am besten und sehe Aspekte an Sailor Moon, die ich auch an mir selbst sehe. Natürlich ist die Optik noch einmal eine ganz andere Sache. Aber wenn ich Sailor Moon an mir selbst nicht gut fände, hätte ich sie doch auch nicht mehr als fünfmal in verschiedenen Versionen gecosplayed, oder?

Dein Idealbild bestimmt nicht mein Cosplay

Letztendlich ist es wichtig, dass du selbst mit deinen Cosplays glücklich bist. Es kann hilfreich sein, zu verstehen, dass man beispielsweise nicht das klassische Beautyface hat (oder umgekehrt) und daher Leute einfach bestimmte Charaktere nicht so gerne an dir sehen. Es wird einfach immer Charaktere geben, die bei einer größeren Anzahl an Leuten auf positives Feedback stößt. Und das ist in Ordnung.

Ich selbst finde es tatsächlich sehr hilfreich, sich darüber Gedanken zu machen und diese Aspekte zu kennen. Sie helfen mir, klarer zu sehen, wie die Welt funktioniert, was für mich funktioniert und vor allem was mir persönlich wichtig ist.

Solltest du einmal zweifeln, kann es helfen dir folgende Fragen zu stellen:

  • Möchte ich es überhaupt allen recht machen?
  • Wäre ich glücklich, wenn ich XY an meinem Cosplay ändern würde?
  • Warum cosplaye ich diesen Charakter und bereitet es mir Freude, wenn ich ihn trage?

Wenn dir einmal jemand sagen wird, dass dein Cosplay schlecht ist, dann denk immer daran: “Mein Cosplay ist nicht schlecht. Es entspricht nur nicht deinem Idealbild.”

Hab einfach Spaß!

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